Auf dem Kattegattleden von Göteborg nach Kopenhagen

Die Fahrradreise auf dem Kattegattleden von Göteborg nach Kopenhagen führt uns durch schöne, ruhige Landschaften entlang des Meeresgebiets zwischen dem dänischen Jütland und der Westküste Schwedens.

Die Anfahrt von Berlin nach Göteborg mit dem ICE nach Kiel und der anschließenden vierzehn stündigen Fährüberfahrt ist langwierig, aber entspannender als der Fahrradtransport mit dem Auto.

Streckenübersicht

Unsere Tour teilt sich in sechs Etappen, wobei wir uns einen Tag zur Erkundung der Stadt Göteborg und zwei Tage für den Aufenthalt in Kopenhagen vorgesehen haben.

Der Kattegatleden erstreckt sich von Göteborg nach Helsingborg und ist der erste schwedische nationale Radfernweg, eröffnet im Jahr 2015. Er führt durch die Provinz Halland bis in die Provinz Skåne. Die Streckenführung geht meist über verkehrsarme Straßen, straßenbegleitende Radwege, manchmal über Schotterstraßen oder Waldwege.

In Städten teilen sich in der Regel Fußgänger und Radfahrer denselben Verkehrsraum, was überwiegend auch durch entsprechende Beschilderung angezeigt wird. Gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer ist in Schweden eine Selbstverständlichkeit – Autofahrer eingeschlossen.

In manchen Reiseberichten wird empfohlen, die Tour aufgrund der häufigen Windverhältnisse von Süden nach Norden durchzuführen. Wir hatten auf unserer Fahrt Glück, dass der Wind häufig von Nord bzw., Nordwest wehte.

Erkundung Göteborg

Ein Tag reicht eigentlich nicht, um Göteborg gründlich zu erkunden. Wir haben uns bemüht, in der kurzen Zeit die interessantesten Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Die blauen Marker in der Karte zeigen unsere Highlights; in ihnen verbergen sich weiterführende Links, die zu den entsprechenden Informationen führen.

Anfang Juli ist die Stadt noch nicht so sehr von Touristen belagert, sodass wir in Ruhe alles besichtigen können. Lediglich im angesagten Stadtviertel Haga tummeln sich viele Menschen vor allem in den kleinen Straßen, wo es viele kleine Geschäfte mit Kunst, Kleidung und anderen schönen Artikeln gibt, auch findet man hier viele Restaurants und Kneipen.

Von Göteborg nach Kungsbacka

Bei frischem Wind von Nordwest fahren wir am Morgen los nach Kungsbacka. Da unser Hotel am südlichen Stadtrand von Göteborg liegt, fahren wir auf dem Sverigeleden nach Süden, bis wir auf den Kattegattleden stoßen. Anhand des Streckenprofils lässt sich leicht sehen, dass wir durch eine hügelige Landschaft mit einigen Anstiegen fahren werden. An einigen Stellen kann man erahnen, dass der Radweg auf der Trasse der früheren Sarö-Bahn verläuft, die Göteborg mit der idyllischen Halbinsel Sarö verband. Hier hatten sich schon im 19. Jahrhundert begüterte Göteborger Landsitze bauen lassen, um in der schönen Umgebung in Ruhe ausspannen zu können.

Wir fahren bis auf die Halbinsel Sarö und stellen fest, dass es sich hier wirklich in Ruhe Urlaub machen lässt. Am südlichen Strand, am Rande eines Naturschutzgebiets, sehen wir einen Wingsurfer, der durch seinen waghalsigen Surfstil im seichten Wasser in Ufernähe sein schönes Wingsurfbrett zu Schrott fährt.

Hinter der Insel Sarö fahren wir in einer großen Schleife nach Kungsbacka. Inzwischen fängt es an, stark zu regnen. Ziemlich erreichen wir völlig durchnässt unser heutiges Ziel: Eine gemütliche Ferienwohnung mit hervorragender Ausstattung, wo wir uns erst trocknen lassen und genüsslich duschen.

Von Kungsbacka nach Varberg

Am nächsten Morgen starten wir wieder bei mäßigem Regen, der im Laufe des Tages immer mal wieder stärker werden kann. Aus diesem Grund sparen wir uns auch eine ausführliche Besichtigung von Kungsbacka und begeben uns gleich auf die Piste. Am Streckenprofil lässt sich ablesen, dass es auch heute wieder recht hügelig zugeht, allerdings sind nicht so viele Höhenmeter zu überwinden wie gestern.

Unterwegs kommen wir am Kernkraftwerk Ringhals vorbei. Von den ursprünglich vier Reaktorblöcken sind noch zwei in Betrieb, das Kernkraftwerk gehört zum Vattenfall-Konzern. Die Anlage liegt sehr abgelegen am Meer, weit und breit ist keine Siedlung zu sehen. Die Umgebung wirkt ein wenig gespenstisch, denn in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich eine aus langgestreckten, barackenähnlichen Häusern bestehende Siedlung – ähnlich einer Ferienanlage -, in der aber kein Mensch zu sehen ist. Das Werksgelände ist mit Stacheldraht bewehrten Zäunen abgegrenzt, Schilder verbieten das Fotografieren und die Aufnahme von Videos. In der Ferne sieht man eine riesige Fabrik mit einem hohen Schornstein, aus dem eine riesige, dicke Rauchfahne aufsteigt.

Zu dieser Fabrik kommen wir nach ein paar Kilometern. Auf den sie umgebenden Flächen lagern Massen von Holz. Später finden wir heraus, dass es sich hier um eine Zellstofffabrik handelt.

In strömendem Regen erreichen wir unser Hotel in Varberg.

Von Varberg nach Halmstad

Kaum sitzen wir am Morgen auf den Fahrrädern, fängt es wieder an zu regnen. Diesmal ganz schön heftig. Noch im Regen schauen wir auf die Festung und das Kaltbadehaus von Varberg. Wir müssen einen kleinen Umweg nehmen, um wieder auf den Kattegattleden in Richtung Süden zu fahren. Nach kurzer Zeit klart es auf und wir können im Sonnenschein entlang der Küste radeln. Die Granitküste haben wir nun hinter uns gelassen und weiße Sandstrände begleiten uns jetzt. Dass es für Badegäste nun interessanter wird, erkennen wir leicht an den immer häufiger anzutreffenden Campingplätzen und Ferienhaussiedlungen; am Strand halten sich jetzt auch deutlich mehr Menschen auf. Als wir die Stadt Falkenberg erreichen, scheint die Sonne ordentlich heiß. Nach einer langen, ruhigen Fahrt erreichen wir unser heutiges Etappenziel in Frösakull bei Halmstadt.

Von Halmstadt nach Lillaryd

Leider auch heute keine gute Aussicht beim Frühstück im Hotel: Es regnet mal wieder…

Vom Hotel fahren wir ins Zentrum von Halmstad. Der Regen ist jetzt richtig heftig. Da die Wegauszeichnung nicht gut angebracht ist, verfahren wir uns zunächst einmal und landen in einem unwegsamen Industriegebiet. Nachdem wir die Industriezonen um die Stadt verlassen haben, fahren wir am Strand entlang durch mehrere Naturschutzgebiete bis Båstad. Und hier scheint plötzlich wieder die Sonne, es wird richtig heiß. Wir erledigen einige Einkäufe und begeben uns auf die Suche nach unserer heutigen Unterkunft.

Dass wird dorthin ordentlich bergauf fahren müssen, konnten wir bereits der Karte entnehmen. Mit einer durchschnittlichen Steigung von 9% auf 4 km haben wir aber nicht gerechnet. Das schlaucht ganz schön.

Nach kurzer Suche auf der Höhe finden wir unsere heutige Herberge. Sie stellt sich als eine gemütliche Ferienwohnung mit einem schönen Garten heraus. Unser Gastgeber spricht sogar deutsch.

Von Lillaryd nach Höganäs

Der nächste Tag beschert und als besondere Freude eine herrliche Tour bergab nach Angelsbäcksstrand, wo wir wieder den Kattegatleden erreichen. Bei schönem Wetter fahren wir am Strand entlang bis Vejbystrand. Hier soll es auf dem Gelände eines ehemaligen Sanatoriums ein medizinhistorisches Museum geben. Leider ist es zurzeit geschlossen, sodass wir unverrichteter Dinge weiterfahren.

Bald erreichen wir Ängelholm, wo wir uns die direkt im Zentrum am Marktplatz die von einem Friedhof umgebene Kirche anschauen. Zwei Schülerinnen einer örtlichen Schule präsentieren im Inneren eine kleine Kunstausstellung und bieten Kaffee und selbstgebackene Plätzchen an. Wir benutzen die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch.

Die Weiterfahrt stellt sich etwas problematisch dar, weil die Wegauszeichnung für die Fahrradroute nicht aussagekräftig genug ist; nachträglich entdecke ich, dass wir nicht allzu weit von der richtigen Wegführung entfernt waren – mit meinem Fahrradnavi hätte ich das eigentlich leicht entdecken können.

Nach der Weiterfahrt an einigen Naturreservaten entlang erreichen wir die Hafenstadt Höganäs, wo wir unser am Hafen gelegenes Hotel erreichen.

Von Höganäs nach Kopenhagen

Die heutige Etappe führt uns immer am Strand entlang direkt nach Helsingborg. Da wir keine Vorstellung davon haben, wie das mit der Überfahrt nach Dänemark funktioniert, beschließen wir, direkt zum Hafen zu fahren und nach Dänemark überzusetzen. Der Entschluss ist leichter gedacht als getan, denn es ist nicht ohne weiteres ersichtlich, wie man als Radfahrer an den Fähranleger gelangt. Erst durch mehrmaliges Nachfragen finden wir die Ticketkasse und reihen uns in die Schlange der Wartenden ein. Glücklicherweise fährt alle 30 Minuten ein Schiff ab, sodass wir uns bei inzwischen sehr sommerlichen Temperaturen nicht die Beine in den Bauch stehen müssen.

Das Boarding und die Überfahrt gehen problemlos vonstatten, nach kurzer Zeit sind wir auf der dänischen Seite in Helsingør. Wir fahren zunächst auf einer viel befahrenen Straße immer in Sichtweite zum Strand in Richtung Süden nach Kopenhagen. Später biegen wir auf eine weniger befahrene Straße ab, bleiben aber immer noch in Strandnähe. In dem kleinen Ort Smidstrup werden wir nach Westen bis zur Kystbanen, der Eisenbahnlinie, die von Helsingør nach Kopenhagen verläuft, geführt. Hier radeln wir auf einem schönen Fahrradweg bis nach Klampenborg am nördlichen Stadtrand von Kopenhagen; die Strecke mit vielen, mitunter sehr steilen Anstiegen und Abfahrten ist eine richtige Herausforderung. Als wir schließlich in Hellerup, einem der nördlichen Bezirke einfahren, fängt es erst leicht – dann immer stärker an zu regnen. Im strömenden Regen erreichen wir unser Hotel auf der südöstlich der Kopenhagener Innenstadt gelegenen Insel Amager.

Kopenhagen haben wir bereits auf unserer Radtour von Berlin auf dem bekannten Fernradweg besucht. Wie damals haben wir auch auf dieser Reise einen zusätzlichen Tag gebucht, um unsere Erinnerungen aufzufrischen.

Besichtigungen in Kopenhagen

Von unserem Hotel am Stadtrand von Kopenhagen war es nur eine kurze Strecke bis in das Zentrum zu den Sehenwürdigkeiten. Wir haben nicht das volle Besichrigungsprogramm ausgeschöpft, weil wir ja schon – zwar vor mittlerweile vierzehn Jahren – einiges gesehen haben.

Verkehr in Kopenhagen

Kopenhagen wird ja häufig als die Fahrradstadt gepriesen. In der Tat, sie hat eine fahrradfreundliche Infrastruktur mit durchgängig breiten Radwegen an allen Hauptstraßen und vielen Fahrradstraßen. Die vielen innerstädtischen Wasserstraßen können von Radfahrern meist auf eigenen, von sonstigen Verkehr getrennten Brücken überquert werden.

Auffällig ist, dass es, im Unterschied z. B. zu Berlin, kaum Staus beim Autoverkehr gibt. Alledings mussten wir feststellen, dass die dänischen Autofahrer nicht so rücksichtsvoll gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern sind, wie die Autofahrer in Schweden. Da rasen schon einmal Rechtsabbieger ohne Rücksicht vor Radfahrern und Fußgängern um die Ecke.

Im Stadtverkehr sind viele Lastenfahrräder auffällig. Sie beanspruchen viel Raum, was manchmal zu Engpässen auf den Radwegen führt, zumal wenn auf den Radpisten Gegenverkehr herrscht – nicht allzu selten wird auch dort auf Radwegen gegen die Richtung gefahren, wo es eigentlich nicht erlaubt ist.

In der Regel verständigt man sich beim Radfahren durch Handzeichen: Beim Abbiegen oder auch beim Anhalten, was beim häufigen Kolonnenfahren sehr hilfreich für den nachfolgenden Verkehr ist.

Knüppeldicke voll!

Anfang Juli erleben wir Kopenhagen als knüppeldicke voll von Touristen. Auf unserer letzten Reise in die Stadt haben wir das nicht so erlebt, obwohl wir auch in den Sommerferien dort waren. An den touristischen Brennpunkten der Innenstadt werden Busse voll mit Menschen abgeladen.

Wir haben uns bei unserer Stadterkundung auf wenige Stellen beschränkt und sind nur dorthin gefahren, wo man sich nicht durch das Getümmel wurschteln muss.

Fotos von 2025

Fotos von 2011

An- und Abfahrt, Unterkünfte

Die Anreise nach Schweden mit Fahrrädern lässt sich am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewerkstelligen. Wir haben uns diesmal, wie im vergangenen Jahr, für die Überfahrt mit der Fähre von Kiel nach Göteborg entschieden. Stena Line fährt einmal pro Tag am Abend vom Hafen Kiel ab und erreicht am nächsten Morgen Göteborg. Wir haben diese Variante gewählt, weil in Schweden Fahrräder nur auf wenigen Eisenbahnlinien mitgenommen werden dürfen. Bucht man auf dem Schiff eine Schlafkabine, kommt man am Ziel ausgeschlafen und sehr entspannt an.

Die Rückreise von Kopenhagen haben wir mit der Bahn gemacht. Von Kopenhagen fährt ein Schnellzug nach Hamburg, der nach unseren bisher gemachten Erfahrungen immer sehr gut ausgelastet ist. Das Umsteigen in Hamburg (Hauptbahnhof) ist sehr abenteuerlich, da man beim Bahnsteigwechsel mitunter weite Wege zurücklegen muss; auch herrscht dort viel Publikumsverkehr.

Für die Übernachtungen haben wir die Unterkünfte vorab gebucht. Nach unseren zahlreichen Fahrradreisen erscheint uns dies als sehr praktisch: Bei den meisten Buchungsportalen kann man Unterkünfte auswählen, bei denen eine Stornierung der Buchung bis kurz vor der Ankunft möglich ist.

Hotelpreise in Schweden und Dänemark unterscheiden sich kaum noch von denen in Deutschland, in den Großstädten kann es unter Umständen doch deutlich teurer werden.

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