Vom Rennsteig zum Mittellandkanal

6. Etappe: Bad Sooden-Allendorf – Reinhardshagen

 

Den frühen Vogel fängt der Wurm – ein bekanntes Sprichwort. Wir stehen an diesem Sonntag früh auf und werden mit einem sehr schmackhaften Frühstück verwöhnt. Der Blick aus dem Fenster haut uns noch nicht vom Sockel – wenigstens regnet es nicht. Entsprechend wenig ist aufgrund der frühe Stunde an unserem nächsten Halteziel Witzenhausen zu besichtigen: alles noch geschlossen

In einem Reisemagazin im NDR-TV haben wir vor nicht allzu langer Zeit gesehen, dass Witzenhausen die Kirschenstadt ist. Schon auf dem Weg dorthin haben wir vermehrt Kirschbäume und sogar ganze Plantagen gesehen. Die Stadt selbst ist noch ziemlich leer, als wir dort eintreffen; ein paar Männer sitzen schon vor den offenen Henkelkirchen. Die Liebfrauenkirche ist nicht zu besichtigen, am Marktplatz kaufen wir unter den Augen der uns beobachtenden Statue von Jakob Grimm in einem Tourismusinfo ein paar Postkarten, die wir analog und altmodisch verschicken wollen.

Nun geht es weiter, immer schön ruhig, an der Werra entlang. Am späten Mittag erreichen wir Hannoversch-Münden. Hier vereinigen sich die Flüsse Werra und Fulda zur Weser.

Wir fahren in die Innenstadt und schauen uns die Kirche St. Blasius an. Wir sehen die Rotunde im Süden des Stadtkerns und freuen uns, dass wir pünktlich zum Glockenspiel des Rathauses kommen.

Natürlich erkennt man sofort, dass hier die Melodie des Liedes „Ich bin der Doktor Eisenbart“ gespielt wird. In der Tat hat dieser später als Quacksalber verkannte Naturwissenschaftler im 17. bis 18. Jahrhundert für damalige Zeiten wahre medizinische Wunder vollbracht. An der Südseite der Ägidienkirche befindet sich sein Grabstein. Diese Kirche ist sehens- und erlebenswert! Hier befindet sich im Innern heute das Café Aegidius. Wir regenerieren uns hier bei Kaffee und Torte.

Schließlich fahren wir zum Weserstein. Der befindet sich am Zusammenfluss von Werra und Fulda. Wenige Meter daneben findet man den neuen Weserstein, der anlässlich der EXPO 2000 dort aufgestellt wurde und eine humorvolle Antwort des bulgarischen Künstlers  Nedko Solakov darstellen soll.

Zu unserem heutigen Etappenziel – wir fahren von nun ab auf dem Weserradweg weiter – müssen wir erst einmal eine nicht ungefährliche Hürde überwinden. Der Radweg geht zunächst einmal entlang der auch an diesem Sonntagnachmittag viel befahrenen B80. In Gimte können wir endlich abbiegen. Dennoch fahren wir – teils auf Straßen begleitenden Radwegen, teils auf der Straße selbst – bis Hemels, wo wir die Fähre nach Reinhardshagen nehmen. Hier wartet das Weigand Hotel Peters auf uns.

Hier haben wir es mit einem echten Retro-Hotel zu tun: unser Zimmer wird von einem riesigen Röhrenfernseher beherrscht, die Einrichtung muss noch aus den 60er Jahren stammen. Aber – und das ist wirklich toll – der gastronomische Bereich des Hotels ist super. Die Speisenauswahl auf der Karte ist „klassisch„: Jägerschnitzel, usw. sind drauf, aber man ist durchaus flexibel bei den Beilagen und Zutaten. Vor allen Dingen: es schmeckt alles frisch zubereitet, das lassen auch die Geräusche aus der Küche (Schnitzelklopfen, Brutzeln) vermuten.

Nach dem Abendessen vertreten wir uns auf den Radeln noch einmal die Beine mit einer Runde durch Reinhardhagen. Einsetzender Regen lässt uns aber schnell wieder ins Hotel zurück fahren.

 

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