Vom Rennsteig zum Mittellandkanal

7. Etappe: Reinhardshagen – Höxter

Frisch gestärkt machen wir uns am Morgen rechtzeitig auf den Weg. Um auf den sprichwörtlich „rechten Weg“ – nämlich das rechte Weserufer – zu kommen, müssen wir erneut die Hemeler Fähre benutzen. Nach recht kurzer Zeit erreichen wir das Kloster Bursfelde. Es wurde im 11. Jahrhundert von Benediktinermönchen gegründet und erlebte über die Jahrhunderte eine recht wechselvolle Geschichte, heute ist das Kloster ein Geistliches Zentrum, in dem Seminare und Einkehrtage angeboten werden, und wird von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover verwaltet. Besonders shenswert ist die Klosterkirche, die wir dann auch besichtigen.

Inzwischen bessert sich das Wetter, die Sonne schaut schon ab und zu hervor, und wir fahren entlang der ruhig durch das Tal mäandernden Weser bis nach Lippoldsberg. Auch hier stoßen wir wieder auf eine Klosterkirche. Es handelt sich um eine Basilika im romanischen Stil, deren asketisch karg eingerichtetes Innere zum Meditieren einlädt.

In Wahmbeck nutzen wir die Fähre, um auf die linke Seite der Weser zu gelangen; hier können wir eine weniger steigungsreiche Variante des Weserradwegs wählen, müssen aber auf dem Radweg entlang der schon beschriebenen B80 fahren. Als wir Bad Karlshafen erreichen, beginnt ein leichter Nieselregen…

In Bad Karlshafen halten wir uns – nicht nur wegen des Nieselregens, sondern auch, weil die gesamte Innenstadt eine einzige Baustelle ist – nicht länger auf, sonder fahren weiter nach Nordwesten. Auf der Karte entdecke ich, dass wir gleich den Ort Würgassen erreichen werden und grübele, wo ich den Namen dieser Stadt schon einmal gehört habe. Bei näherem Hinsehen entdecke ich, dass Würgassen Standort eines Atomkraftwerks war. Die Anlage wurde von 1971 bis 1994 betrieben, dann musste der Betrieb eingestellt werden, weil Haarrisse im Stahlmantel des Reaktorkerns entdeckt wurden; es erfolgte in den Jahren danach ein Rückbau. Wer aber glaubt, dass damit die Gefahr geannt sei, der wird durch den atommüllreport eines Besseren belehrt.

Ein paar Kilometer weiter entdecken wir durch Zufall ein kleines Schlösschen mit einem Schlosspark. Der Park ist öffentlich zugänglich, aber nicht sehr gepflegt. Wir erfreuen uns an einigen malerischen Ecken.

Auf dem Weg nach Höxter, unserem heutigen Etappenziel, durchfahren wir eine Teichlandschaft (laut Karte), von der man nicht viel sieht, weil sie von hohen Hecken umgeben ist. Unser Hotel müssen wir in Höxter mühevoll suchen: in der Altstadt gibt es viele kleine Gassen, deren Verlauf auf dem Display des GPS-Geräts nicht deutlich zu erkennen ist. Nach einigem Suchen können wir die Glocke der Rezeption des Hotels Corveyer Hof betätigen.

Unser Zimmer ist ziemlich klein. Das macht aber nichts, denn wir wollen hier ja nur schlafen. Das Hotel verfügt auch über ein Restaurant, das wir aber nicht nutzen werden, denn hier hat sich eine achtköpfige Männer-Radlergruppe (alles Rentner im Sportfress) niedergelassen. Sie beschallen den Gastraum sehr lautstark mit Witzen, die wir nicht hören möchten, in hessischem Dialekt.

Da wir heute sehr schnell gefahren sind, haben wir noch den ganzen Nachmittag zur Verfügung. Wir beschließen, das Kloster Corvey zu besichtigen. Vor 50 Jahren war ich schon einmal dort, kann mich aber kaum noch an etwas erinnern. Nach dem Duschen fahren wir zu dem nah bei der Stadt befindlichen Klostergelände.

Kloster Corvey ist wirklich besuchenswert! Es sind noch 2,5 Stunden bis zur Schließung der Ausstellungen, am Einlass wird uns zugesichert, dass man in dieser Zeit alles sehen könne. Wir vertrauen darauf.

Es ist wirklich imposant, was wir dort zu sehen bekommen. Die ehemalige Abteikirche hat einen gotischen Einschlag von der Bauweise her, die Innenausstattung ist im barocken Stil. Im Klostergebäude beeindrucken die Äbtegalerie und die Bibliothek. Wir sind völlig eingefangen von den vielen interessanten Eindrücken, dass wir gar nicht bemerken, wie schnell die Zeit vergeht. Schließlich muss uns ein Museumswärter antreiben, die Ausstellung zu verlassen, weil die Schließzeit erreicht ist. Schade!

Am Abend essen wir im Ratskeller der Stadt Höxter, der heute ein hippes, spanisches Restaurant ist. Leider ist das Rathaus (wir sitzen – anders als die Höxter-Hipster –  draußen) vom Autoverkehr umtost, das Essen ist allerdings prima. Danach geht es ab ins Bett.

 

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